Ist es echte Sorge? Oder der Versuch, den Menschen Angst vor der freiwilligen Corona-Schutzimpfung zu machen?
Der Passauer AfD-Landtagsabgeordnete Ralf Stadler hat die Regierungsbefragung am Mittwoch im Planum des Bayerischen Landtags jedenfalls genutzt, eine weite Brücke zwischen den möglicherweise bald möglichen Corona-Schutzimpfungen und dem verheerenden Contergan-Skandal der 1960er Jahre zu schlagen.
So sprach Stadler in der Einleitung seiner Frage davon, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sei dabei, die Schutzimpfung „durchzupeitschen“, er sprach von einem „medizinischen Experiment“ mit vielen „Versuchskaninchen“ und den Gefahren einer „Schnellzulassung“ – dabei werde sich das „Leid durch Impfschäden“, so Stadler, „erst spät zeigen“. Dann wies der AfD-Mann auf die verheerenden Wirkungen wie bei dem Beruhigungsmedikament Contergan für Schwangere hin, das Schuld trug an tausenden Neugeborenen mit Fehlbildungen. Seine Frage: „Wer haftet für Impfschäden?“
Applaus für Huml-Konter
Zuständig für die Antwort war Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), die ob dieses Vergleiches sichtbar um Fassung rang – und sich gegen „den Zungenschlag, den sie hier reingebracht haben“, verwahrte. „Bitte tun sie das nicht in diesem hohen Haus“, mahnte sie unter großem Applaus. Dennoch mühte sie sich um eine sachliche Antwort: Auch ein neuer Impfstoff müsse regulär zugelassen werden, neu sei lediglich, dass Teile des Zulassungsverfahrens parallel bearbeitet würden, um das Verfahren zu beschleunigen, so Huml. Die Zulassung sei also „bewusst beschleunigt“ worden, was aber nicht heiße, dass das Zulassungsverfahren „nicht solide durchgeführt“ würde.
Es werde „nichts durchgepeitscht“, so Huml, „niemand wird gezwungen, es ist eine freiwillige Impfung“. Es gebe keine staatliche verordnete Impfung, sondern ein Impfangebot. Am Anfang werde es sogar zu wenig Impfstoff geben, weshalb man priorisieren müsse. Richtig sei, dass auch bei einem Corona-Impfstoff beobachtet werden müsse, welche Nebenwirkungen es gebe – „wie bei anderen Impfstoffen auch“, so Huml. Was die Haftung für mögliche Impffolgen angehe, so werde dies derzeit auf Bundesebene besprochen und sei mit Vorliegen der Zulassung dann „ganz klar geklärt“, sicherte sie zu.
Schnelltests: Huml gegen Modellprojekt in der Stadt Passau
Ablehnend zeigte sich Huml gegenüber einem Vorschlag von FDP-Mann Dominik Spitzer. Der wollte wissen, warum die Staatsregierung mit den zehn Millionen Corona-Schnelltests, die der Freistaat geordert hat, jetzt nicht ein Modellprojekt in der Stadt Passau macht, um – auf freiwilliger Basis – an dem Ort mit der bundesweit höchsten 7-Tage-Inzidenz alle Bürger zu testen, vergleichbar zu entsprechenden Modellprojekten wie etwa in Südtirol, wo 60 Prozent mitgemacht hätten. Es gebe jenseits der Schnelltests ohnehin das bayerische Angebot, dass sich jedermann regulär testen lassen könne, antwortete Huml – was „sicherlich“ auch wichtig sei „in einem Gebiet, wo ein Hotspot ist“. Sie bezweifle, dass ein Modellprojekt mit Schnelltests einen Mehrwert brächte.
Gut eine Stunde lang konnten am Mittwoch erstmals die Landtagsabgeordnete die besonders mit Corona befassten Mitglieder der Staatsregierung befragen. Insbesondere die Fragestellungen aus der Regierungskoalition – CSU und Freie Wähler – an die eigenen Regierungsmitglieder hatten aber Showcharakter. Wenn etwa der CSU-Mann Stephan Oetzinger von CSU-Wissenschaftsminister Bernd Sibler wissen will, welche Lehren man aus dem digitalen Sommersemester an den Hochschulen ziehe, und Sibler antwortet, dass alles „sehr gut funktioniert“, es einen „ungeheuren digitalen Schub“ gegeben und die Professoren „extrem fleißig“ gewesen seien, dann hält sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen.
Aiwanger: Corona-Hilfen laufen wunderbar
Nachfragen hatte Oetzinger nicht. So konnte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf Frage des Freie-Wähler-Abgeordneten Rainer Ludwig bestätigen, dass es mit den Corona-Hilfen ziemlich wunderbar laufe, und Kultus-Minister Michael Piazolo (freie Wähler) bestätigte auf die Frage der Freie-Wähler-Abgeordneten Eva Gottstein hin, dass 94 Prozent der Schulklassen in Präsenzunterricht seien, vier Prozent in Distanzunterricht und drei Prozent in Wechselunterricht. Das hatte er schon letzte Woche bekanntgegeben. Kritische Fragen von Grünen, SPD und FDP indes wurden kurzatmig beschieden.
Quelle: https://www.pnp.de/lokales/stadt-und-landkreis-passau/passau-stadt/Corona-Regierungsfragen-AfD-saet-Zweifel-an-Impfstoff-Huml-kontert-3855692.html